Der musizierende Mensch als Gesamtkunstwerk
Sind Atem, Körper und Stimme in einer Balance, erleichtert es erheblich das Singen und Spielen eines Instruments.
„Alle Funktionen des Lebendigen sind eingebunden in ein rhythmisches Wechselspiel von Polarität (R.Schulze-Schindler; R.Alavi-Kia, “Sonne, Mond und Stimme“)
Der Atem ist da keine Ausnahme, denn er ist ein beständiger Wechsel der Phasen „Ein“ und „Aus“. In der Regel ist eine Phase aktiver als die andere. Daraus ergeben sich zwei Muster, die den Menschen ganzheitlich betreffen und die von der jeweiligen Dynamik des Ein- oder der Ausatems bestimmt sind. Auf diese Muster reagiert der Körper komplex in Bezug auf Gestik, Mimik und Stimme.
Immer ist eines der beiden Atemmuster bestimmend. Es entfaltet seine eigene Dynamik. Diese prägt den Körper ganzheitlich und maßgeblich auch den Klang der Stimme.
Schwierigkeiten mit der Stimme, ob im Gesang oder in der Sprache, haben viele Ursachen. Oftmals liegt es daran, dass der Atem beim Singen entgegen seiner kraftvolleren Dynamik geführt wird. Das beeinträchtigt die Gesamtkonstitution ebenso wie die Stimme.
Kennst du jedoch die fördernde Dynamik deines Atems und bist damit vertraut, ändert sich alles praktisch im Handumdrehen.
Durch gezielte Körperübungen und Atembehandlungen lernst und erlebst du, wie sich die aktiven und passiven Phasen des Ein- und Ausatems auf den Körper und die Stimme auswirken.
Die stimmlichen Schwierigkeiten lösen sich weitgehend auf und du bist in der Lage, dir deine Stimme im Zusammenspiel mit einer guten Gesangstechnik gesund zu erhalten.
Vergleichbare positiven Erfahrungen können auch gemacht werden, wenn du ein Instrument spielst. Das Beispiel eines Pianisten mag stellvertretend für viele andere Erfahrungen stehen, an der Gitarre, der Trompete, einem Streichinstrument...
Er verzweifelte trotz vielen Übels daran, dass er in seinem Spiel kein wirkliches Legato spielen konnte und vor allem, das längere und kompliziertere Läufe einfach nicht zu meistern zu sein schienen, obwohl sie längst „in seinen Fingern“ waren.
Nachdem er sich auf die Dynamik seines Atemmusters eingelassen hatte, gelang ihm genau dies.